Im Herzen Bauingenieur

Hafenpost

#Beschäftigte&Sicherheit|  5 Min.

Im Herzen Bauingenieur

Unser technischer Geschäftsführer Folker Kielgast gibt uns einen Einblick in seinen Werdegang und seine Arbeitswelt.

Das Gespräch mit Folker Kielgast startet mit einem Augenzwinkern: „Also, eigentlich bin ich ja kein Bauingenieur sondern Vermesser. Aber was soll’s: Vermesser sind sowieso die besseren Bauingenieure.“ Im Alltag wird dieser Unterschied nicht sichtbar, denn wichtigstes Kriterium für ihn ist, ob jemand „Baustelle kann“. Mit 40 (!) Berufsjahren in der Baubranche hat Folker Kielgast so vielseitige Erfahrung gesammelt, dass er das beurteilen kann. 

Perspektivwechsel.
Den ersten Kontakt mit dem Vermessungswesen hatte er bei der Bundeswehr als Richtkreisvermesser im Beobachtungsbataillon, ehe es den geborenen Nürnberger zum Studium nach München zog. „Nach dem Studium war es gar nicht so einfach, einen Job zu finden.1982 gab es eine Rezession, da war wenig los in der Baubranche“. Ein Grund, warum er bei seinem ersten Arbeitgeber nach wenigen Monaten für Großprojekte im Ausland eingesetzt wurde: Saudi-Arabien, Oman, Demokratische Republik Kongo. „Diese fünf Jahre waren eine sehr intensive und prägende Zeit für mich. Damals waren 300 Stunden im Monat üblich, der Beruf stand ganz klar an erster Stelle. Für mich und meine Mitstreitenden war das selbstverständlich“, erklärt er.  

Zurück in der Heimat verantwortete er für die Dyckerhoff & Widmann AG, Strabag SE und Züblin AG Großprojekte, wie zum Beispiel Tunnelprojekte der Nürnberger U-Bahn, den City Tunnel Leipzig, den Umbau der Eisenbahnknoten Erfurt, Wittenberg und Dresden sowie Großkläranlagen in Leipzig, Berlin, Magdeburg, Göttingen und Kassel. „In unserer Branche wächst man von Projekt zu Projekt. Berufsanfängern werden erfahrene Kollegen zur Seite gestellt.“  Sein Berufsweg ist ein gutes Beispiel für diesen Weg: Vom Bauführer über den Oberbauleiter, Oberingenieur bis zum Bereichsleiter Ingenieurbau hat er alle Stufen genommen. „Deshalb mein Tipp: Es ist wichtig in diesem Job Dinge anzupacken, sich etwas zuzutrauen und authentisch zu sein.“ 

Seitenwechsel. 
Hoch- und Tiefbau kannte der große Franke aus dem Effeff bevor es ihn 2008 als Technischer Verantwortlicher für den Bau des JadeWeserPorts ans Wasser zog. Großprojekte im Hafenbau wurden ab dann seine neue Passion. Zudem wechselte er von der Auftragnehmer- auf die Auftraggeber-Seite. „Tolle Projekte, starke Teams und stets die Möglichkeit, Innovationen sowie gute Ideen umzusetzen – was will man mehr?!“ Seit 2008 ist er Technischer Leiter und Prokurist bei der JadeWeserPort Realisierungsgesellschaft und zudem seit 2014 Technischer Geschäftsführer bei Niedersachsen Ports. Mit seiner Expertise und seinem Netzwerk prägt er nicht nur die großen Bauvorhaben. Er gestaltet mit seinen Teams interne und innovative Prozesse, um den Technischen Service und die Abteilung Technik bei NPorts zu „starken Truppen“ auszubauen. Projekte wie das Bauwerks-Management, die Digitalisierung im Bau durch BIM und GIS, das Technische Projektcontrolling, die Zentrale Vergabestelle und die Einrichtung des Zentralbereichs Technische Großprojekte tragen seine Handschrift.

Generationswandel. 
In unserem Gespräch kommen wir auch auf die Gegenwart und Zukunft zu sprechen. „Unter meiner Federführung wurde in den letzten Jahren unser Trainee-Programm für Bauingenieure auf den Weg gebracht. Und trotz eines attraktiven Gesamtpaketes wird es für uns als Arbeitgeber zunehmend schwieriger, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Hier ist es wichtig, in Zukunft weitere Optionen wie das Duale Studium anzubieten.“ Noch wichtiger als das ist es aber, die Qualifikation der vorhandenen Mitarbeitenden voranzutreiben und Experten-Wissen rund um den Hafenbau im Unternehmen zu halten. Das machen wir unter anderem mit dem Zentralbereich Technische Großprojekte. Außerdem betont der Techniker die klaren Vorteile als öffentlicher Arbeitgeber gegenüber der Bauindustrie: „Heute ist es selbstverständlich, dass Familie und Beruf unter einen Hut gebracht werden können. So viele Überstunden wie ich damals hatte, möchten heute die wenigsten leisten. Das Familienleben hat einen wesentlich höheren Stellenwert bekommen. Hier haben wir bei NPorts deutliche Vorteile: Wir sind ein krisensicherer Arbeitgeber. Es gibt geregelte Arbeitszeiten und die räumliche Nähe zum Arbeitsplatz ist nicht zu verachten. Unsere Mitarbeitenden sind abends zu Hause und genießen den Feierabend mit ihren Familien. Sogar dort, wo andere Urlaub machen. Zudem bieten wir verschiedenste Instrumente zur Arbeitszeitflexibilisierung, beispielsweise die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten, eine Mini-Auszeit oder zusätzlichen Erholungsurlaub zu nehmen. Das sind klare Pluspunkte.“ 

Zeitenwende.
Ende des Jahres 2022 wird Folker Kielgast in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen. Das letzte Berufsjahr hat er sich anders vorgestellt, aber mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine kam auf die Häfen eine weitere Herausforderung zu: Neue LNG-/AVG-Anleger müssen unter anderem in Niedersachsen gebaut werden, um die Energiesicherheit in Deutschland zu gewährleisten. „Der Bau der LNG-Terminals in Wilhelmshaven und Stade hat absolute Priorität und wird derzeit mit Hochdruck von unseren Bauteams umgesetzt. Hier wird Unglaubliches geleistet, ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.“

Sie interessieren sich für einen Job als Bauingenieur *in in unseren Häfen, möchten an spannenden Projekten teilhaben und Ihren Teil zur Energiewende beitragen? Dann bewerben Sie sich bei uns. Unsere aktuellen Stellenausschreibungen finden Sie hier.  

Kommentare

Thomas Roos
"Interessanter Lebenslauf, beeindruckendes Lebenswerk und ehrliche Offenheit zeichnen diese Zeilen aus, sie machen den aktuellen Akteuren Mut und geben Perspektiven für angegende Bauingenieure. Der Artikel zeigt aber auch, wie alle Generationen gefordert sind, um die aktuellen Aufgaben zu lösen. "