Hafenpost

„Ich möchte, dass Menschen sich wohlfühlen“

Für Lucas Gall bedeutet Führung vor allem eines: Menschen ernst nehmen. Ein Gespräch über Vertrauen, Fehlerkultur und Motivation.

Lucas Gall und ein kollege im Hafen stehend im Gespräch
#Jobs im Hafen|  6 Min.

„Ich habe gehörigen Respekt davor“, sagt Lucas Gall. Und meint damit die Verantwortung als Führungskraft für Menschen. „Weil Menschen facettenreich sind und unterschiedliche Bedürfnisse haben.“

Lucas ist Abteilungsleiter Technik/Technischer Service in Wilhelmshaven. Mit seinem Team sorgt er dafür, dass anspruchsvolle technische Infrastrukturprojekte im Hafen geplant und umgesetzt werden. Für Lucas bedeutet die Position zugleich eine Premiere: Er ist erstmals  Führungskraft und trägt Personalverantwortung. Genau deshalb hat er schon im Vorstellungsgespräch gefragt: Wie unterstützt NPorts Führungskräfte? Gibt es Supervision? Programme? Als er vom Programm „Fit für Führung“ hörte, war für ihn klar: „Super. Das Thema wird hier ernst genommen.“

Er ist direkt mit Modul 1 gestartet. „Ich hatte zwar keine Wahl“, sagt er offen, „aber ich bin gerne Teilnehmer.“ Der Mehrwert liegt für ihn im Austausch mit anderen Führungskräften, mit Trainerinnen und Trainern, mit Perspektiven, die hängen bleiben. „Das wirkt mehr im Unbewussten als im Bewussten.“

Führung, die sich nach ihm selbst anfühlen muss

Lucas beschreibt gute Führung als Raum: „Räume zu schaffen, in denen Menschen sich wohlfühlen. Wo sie zu innerer Stärke finden. Wo sie sich entwickeln können.“

Und er sagt auch: Er will nicht zum „Einheitsbrei“ werden. Im Austausch merkt er, was zu ihm passt – und was nicht. „Andere haben mit Methoden gute Erfahrungen. Und ich denke: Das passt nicht zu mir. Ich möchte ich selbst bleiben.“

Wertschätzung im Alltag

Im Alltag zeigt sich sein Verständnis von Wertschätzung bodenständig. „Wenn Kolleg*innen ein Anliegen haben, heißt das: Ich nehme mir Zeit.“ Nicht wegschieben, nicht vertagen, nicht in Prozessen verschwinden lassen. Und Prozesse, die ins Stocken geraten waren, wieder in Bewegung bringen. „Mir ist wichtig, dass Dinge bearbeitet werden.“

Lucas Gall (von links) im Gespräch mit Nils Stern, Rewert Reents und Gerrit Kathmann vom Technischen Service

Lucas Gall (von links) im Gespräch mit Nils Stern, Rewert Reents und Gerrit Kathmann vom Technischen Service (Bild: Christian O. Bruch/NPorts)

Wenn Mitarbeitende mit vertraulichen oder ungewöhnlichen Anliegen zu ihm kommen, nimmt sich Lucas bewusst Zeit, ihre Motivation und Leistung wirklich nachzuvollziehen. „Mir ist wichtig, dass ich verstehe, was meine Mitarbeitenden leisten und wo sie stehen“, sagt er. „Der Mitarbeiter merkt dann: Mein Vorgesetzter interessiert sich für meine Arbeit.“

Für Lucas ist das Wertschätzung: wahrnehmen, einordnen, ernst nehmen. Und Perspektiven stehen lassen dürfen. „Auch wenn ich anderer Meinung bin: Ich bedanke mich für den Input. Es geht nie auf die persönliche Ebene.“

Fehler offen ansprechen

„Ich habe keine Angst mehr, Fehler zu machen“, berichtet Lucas. Früher, sagt er, sei er unsicher gewesen. Heute spreche er Dinge direkt an. Grenzen, Ton, Unterbrechungen, Unklarheiten. Heute setzt er Grenzen, wenn sie überschritten werden, und klärt Unklarheiten möglichst früh.

Ein kleiner Moment im Büro ist ihm als Beispiel in Erinnerung geblieben: Ein Gespräch wurde von einem Kollegen unterbrochen, der erste Gesprächspartner stand minutenlang daneben. Lucas holte das im Nachgang auf, entschuldigte sich und klärte die Situation. „Früher hätte ich sowas laufen lassen“, sagt Lucas. Heute klärt er – manchmal sofort, manchmal eine Stunde später, aber nicht mehr eine Woche.

Was das im Team verändert

Im Team merkt er, dass Sicherheit entsteht. Er hat die Erfahrung gemacht: „Wer früher unter hohem Druck stand, legt sich oft ein Schutzschild zu. Man tritt vielleicht besonders offensiv auf, um keine Angriffsfläche zu bieten.“ Er versucht deshalb, Verlässlichkeit vorzuleben: Fehler seien Lernmomente, keine Gründe für Vorwürfe. „Das merken die Leute schnell. Und wenn Vertrauen entsteht, verändert sich die Zusammenarbeit.“

Lucas Gall und ein Kollege auf eine Brücke laufend im Gespräch

(Bild: Christian O. Bruch/NPorts)

Aus Lucas‘ Sicht ist genau das ein zentraler Faktor für Bindung: „Wenn Menschen sich wohlfühlen und einen guten Vorgesetzten haben, verringert das Fluktuation.“ Er beschreibt Arbeit als Energieaustausch: Mitarbeitende geben Energie – und brauchen etwas zurück. Nicht nur Geld, sondern Geborgenheit, Wertschätzung, ein Gefühl von Fairness.

Dass er sich über Führung intensiv Gedanken macht, hat auch mit dem NPorts-Programm „Fit für Führung“ zu tun. Das Programm stärkt aus seiner Sicht insbesondere den Austausch unter Führungskräften. „Da sind Menschen, die ähnliche Probleme haben und die zeigen: ,Wir stehen vor ähnlichen Herausforderungen und unterstützen uns gegenseitig.‘“ Das wirke, sagt Lucas, oft mehr im Unbewussten als im Bewussten, als Impuls, als Samen, der im Alltag wächst.

Ein Ingenieur, der Wasser braucht

Lucas ist 38, auf einem Bauernhof im Sauerland groß geworden und nicht „geradlinig“ ins Studium gestartet. Zwei Studiengänge hat er vorher begonnen, „Extrarunden“ gedreht. „Ich wollte Ingenieur werden“, sagt er. Bauingenieurwesen war nicht die erste Wahl, aber es fügte sich gut und passte. 

Von der freien Wirtschaft zu NPorts kam er über einen Recruiter. Führung zu übernehmen war schon länger sein Ziel, und die ausgeschriebene Position reizte ihn sofort. Trotzdem musste er zunächst überlegen, ob er den Schritt wagen wollte. Doch spätestens nach dem Vorstellungsgespräch war das Gefühl da: „Das ist richtig. Genau das, was mein Herz mir sagt.“

Das Hafenumfeld ist für den 38-Jährigen nicht nur Kulisse, denn Wasser spielt eine wichtige Rolle in seinem Leben: „Ich bin schon immer Wasserkind gewesen.“ Er schwimmt, taucht, ist mit Freunden ab und zu auf dem Boot. „Das hat eine beruhigende Wirkung.“

Wie schaltet er ab nach langen Tagen? Aktiv abschalten ist mit zwei Kindern, Haushalt und Alltag gar nicht so leicht. Aber zweimal die Woche, freitags und sonntags beim Schwimmen, findet er seinen Kopf wieder frei.

Was er jungen Leuten rät

Lucas’ Rat ist nicht ,Mach einfach!‘, sondern: ,Hör hin.‘ „Was ist der Grund, warum ich das möchte? Was fühlt sich richtig an?“ Er berichtet, dass er handwerklich begabt war, aber damals unbedingt studieren wollte. „Im Nachhinein hätte ich vielleicht erst eine Ausbildung machen sollen.“ Sein Fazit: keine Angst vor Neubeginn. Keine Angst, den eigenen Weg zu korrigieren.

Für Lucas Gall geht es dabei letztlich um dasselbe wie im Hafen selbst: Orientierung geben, ohne den Kurs für andere komplett vorzugeben.

 

Auch eine Geschichte unserer Nachhaltigkeit

Die Menschen und Projekte aus diesem Beitrag finden sich auch in unserem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht wieder. Dort erzählen wir weitere Geschichten und zeigen mit Zahlen und Fakten, wie wir Nachhaltigkeit bei NPorts gestalten: Nachhaltigkeit hafen+ - Niedersachsen Ports

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