Niedersachsen Ports (NPorts) treibt die Weiterentwicklung des Hafens Emden mit umfangreichen Investitionen in Infrastruktur, Energieversorgung und neue Nutzungsperspektiven voran. Für das Jahr 2026 plant die landeseigene Hafengesellschaft Investitionen von rund 49,5 Millionen Euro am Standort. Hinzu kommen Aufwendungen für Unterhaltung, Wartung, Baggerarbeiten und Dienstleistungen in Höhe von 30,9 Millionen Euro.
Im vergangenen Jahr lagen die Investitionen am Standort – vorbehaltlich der endgültigen Jahresrechnung – bei rund 6,6 Millionen Euro, während für Unterhaltung und Betrieb der Hafenanlagen rund 25,5 Millionen Euro aufgewendet wurden.
„Wir treiben in Emden große Infrastrukturprojekte voran und stellen gleichzeitig die Weichen für die nächsten Entwicklungsschritte“, sagt Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG sowie der JadeWeserPort Realisierungs GmbH & Co. KG.
Große Seeschleuse bleibt Schlüsselprojekt
Den größten Anteil der Unterhaltungsmaßnahmen bildet weiterhin die Modernisierung der Großen Seeschleuse, für die in diesem Jahr rund 17,5 Millionen Euro vorgesehen sind. Es handelt sich um eines der größten NPorts-Projekte. Die Gesamtfertigstellung ist für 2033 vorgesehen. Die Modernisierung ist in 19 Teilprojekte aufgeteilt, sogenannte Lose. Die Gesamtkosten liegen bei mindestens 100 Millionen Euro, bislang sind Aufträge im Umfang von rund 45 Millionen Euro vergeben worden.
Erfolgreich abgeschlossen werden konnten jüngst der Neubau eines Dükers (Los 2), die Montage einer neuen Trafostation (Los 18.1) sowie Verstärkungen der Schleusenhäupter (Los 9).
Ein wichtiger Meilenstein steht in diesem Jahr bevor: die Anlieferung des Reservetors (Los 3) im Herbst 2026. Die Inbetriebnahme ist Voraussetzung für die nachfolgenden Lose und Arbeiten. Ab Frühjahr 2027 können einzelne Bauphasen erstmals Auswirkungen auf den laufenden Hafenbetrieb haben.
Großschiffliegeplatz: Neue Kapazitäten im Außenhafen
Im Außenhafen entsteht der neue Großschiffliegeplatz (GSLP), der die nautischen Voraussetzungen im Zuge des Masterplan Ems verbessert. Der offizielle Baubeginn erfolgte im August 2025 mit dem ersten Rammschlag. Anfang Januar ruhten die Arbeiten auf Grund der frostigen Witterungsverhältnisse sowie Ostwindlagen für fünf Wochen. Inzwischen sind die landseitigen Kampfmittelsondierungen abgeschlossen, während die wasserseitigen Untersuchungen und Rückbauarbeiten laufen. Die Weichschichtenentnahmebaggerung wurde Anfang 2026 gestartet, der Rammbeginn der Tragrohre ist für April 2026 vorgesehen. Die Fertigstellung des Projekts ist für 2027 geplant.
Anpassung an die Tidesteuerung: Emskai und Wybelsumer Polder
Mehrere Projekte stehen im Zusammenhang mit dem Masterplan Ems, der eine steuerbare Tide vorsieht, um die ökologischen Bedingungen des Flusses zu verbessern.
So wird der Emskai mit Westmole neu erstellt. Die Planungsleistungen sind vergeben, der Genehmigungsantrag soll bis Juli 2026 vorliegen. Bei planmäßigem Verlauf könnte ab Mitte 2027 die Bauausschreibung erfolgen, die Fertigstellung ist für 2030 vorgesehen. Die Gesamtkosten liegen bei 75 Millionen Euro.
Auch am Wybelsumer Polder entsteht eine neue Kaianlage. Hintergrund ist, dass durch die künftige Tidesteuerung bestehende Liegeplätze nicht mehr vollständig nutzbar sind. Durch die neue, tiefgegründete Kaje wird die Kapazität im Außenhafen gesichert und an die veränderten hydrologischen Bedingungen angepasst. Die Kosten für die Planungen liegen bei 7,5 Millionen Euro.
Energieinfrastruktur und nachhaltige Projekte
Neben klassischen Bauprojekten investiert NPorts gezielt in die Energieinfrastruktur des Hafens.
Am Standort Middelmantje wird in diesem Jahr eine neue Mittelspannungsstation errichtet (Investitionsvolumen: 700.000 Euro). Sie schafft die Voraussetzungen für die steigenden Strombedarfe im Hafen, insbesondere im Zuge der Elektrifizierung von Schiffen und Hafenprozessen.
Auch die Borssumer Schleuse wird Teil der Energiewende: Geplant ist eine Kombination aus Photovoltaikanlage und Batteriespeicher (Investitionsvolumen: 580.000 Euro), um die Anlage künftig möglichst energieautark betreiben zu können. Des Weiteren wird für rund eine Million Euro eine Spundwand ertüchtigt.
Bereits umgesetzt ist zudem eine Container-Windkraftanlage mit Batteriespeicher, die als flexibles Pilotprojekt für eine dezentrale Energieversorgung im Hafen dient.
Neue Perspektive: Ausrüstung von Kreuzfahrtschiffen
Eine neue Rolle übernimmt der Hafen Emden künftig bei der Fertigstellung von Kreuzfahrtschiffen der Meyer Werft aus Papenburg. Geplant ist, dass mehrere Neubauten nach ihrer Überführung über die Ems im Emder Außenhafen in unmittelbarer Nähe der Getreidesilos ausgerüstet werden. Die neuen Schiffe erreichen Längen von bis zu etwa 350 Metern. Während der Ausrüstung werden voraussichtlich mehrere tausend Menschen an Bord arbeiten.
Unter „Ausrüstung“ versteht man die abschließenden Arbeiten, bevor ein Neubau an die Reederei übergeben wird. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung der Kabinen und öffentlichen Bereiche, Möblierungen, Beschilderungen sowie umfangreiche Reinigungs- und Funktionsarbeiten. Damit die Schiffe Emden auch wieder sicher verlassen können, muss die vorhandene Wassertiefe angepasst werden. Des Weiteren muss die derzeitige Liegewanne entsprechend der Schiffsabmessungen erweitert werden.
Für die Maßnahme sind umfangreiche Genehmigungs- und Prüfverfahren erforderlich sowie Untersuchungen zur Verwertung des Baggerguts. Anschließend erfolgt das Ausschreibungsverfahren zu den erforderlichen Baggerarbeiten.
Nach aktueller Planung sollen die ersten Kreuzfahrtschiffe im März und September 2027 in Emden ausgerüstet werden.
Hafenentwicklung mit Rückenwind durch Sondervermögen
Ein Teil der Maßnahmen wird durch zusätzliche Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität ermöglicht. Diese schaffen finanzielle Spielräume, um zentrale Projekte im Hafen Emden früher umsetzen zu können.
Dazu zählt neben den bereits erwähnten Projekten Mittelspannungsstation Middelmantje, Wybelsumer Polder und PV-Anlage und Batteriespeicher bei der Borssumer Schleuse auch der Ersatzneubau der Spundwand am Südkai (Eisenkai) mit einem Gesamtvolumen von rund 21 Millionen Euro. Die Maßnahme ist erforderlich, da die bestehende Ufereinfassung sanierungsbedürftig ist und bereits Nutzungseinschränkungen bestehen.
Durch den Neubau der Spundwand sowie die Vertiefung der Liegewanne wird die Infrastruktur an aktuelle Anforderungen angepasst. Gleichzeitig werden die Voraussetzungen geschaffen, die Umschlagskapazitäten zu sichern und perspektivisch auszubauen sowie die Betriebssicherheit im Hafen zu erhöhen.
„Wir bearbeiten derzeit über 30 Projekte, verbessern und modernisieren somit unsere gesamte Infrastruktur für unsere Kundinnen und Kunden und schöpfen das enorme Entwicklungspotential des Hafens aus“, sagt Aiko Hollander, Leiter der Niederlassung Emden. „Unser Team leistet hierfür mit Engagement und Einsatz hervorragende Arbeit.“
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