Reservetor erfolgreich zu Wasser gelassen und zurück in Emden

Emden |

Im niederländischen Eemshaven wurde das rund 1.200 Tonnen schwere Reservetor erfolgreich vom Schwerlastponton „BHV Innovation“ zu Wasser gelassen. Anschließend brachten zwei Schlepper das Tor zurück nach Emden. Ab dem 22. September übernimmt es für rund ein Jahr die Position des Tores am Binnenhaupt.

Das neue Reservetor für die Große Seeschleuse schwimmt: Niedersachsen Ports (NPorts) und die beteiligten Fachunternehmen haben das rund 1.200 Tonnen schwere Stahlbauwerk am Donnerstag, 27. August, im niederländischen Eemshaven erfolgreich zu Wasser gelassen. Zwei Schlepper überführten das freischwimmende Tor anschließend über die Ems zurück nach Emden. Dort erreichte es am Donnerstagabend seinen vorgesehenen Liegeplatz.

Damit endet ein kurzer Abstecher des neuen Reservetores von seinem Fertigungsort Bremerhaven nach Emden. Ein erster Versuch, das Tor am 28. Juli im Emder Binnenhafen vom Schwerlastponton auszuschwimmen, musste abgebrochen werden. Der Ponton ließ sich an der vorgesehenen Position aufgrund technischer Probleme nicht bis auf die erforderliche Tiefe absenken. Da ein kontrollierter und sicherer Ablauf jederzeit gewährleistet sein muss, brachen die Projektbeteiligten die Aktion ab.

In den folgenden Wochen prüften NPorts und die beteiligten Fachunternehmen verschiedene Möglichkeiten und organisierten die Wasserung neu. Für einen weiteren Versuch im Emder Binnenhafen stand kurzfristig kein geeignetes Zeitfenster für die notwendige Sperrung der Großen Seeschleuse zur Verfügung. Die Projektbeteiligten entschieden sich deshalb für den Julianahaven in Eemshaven. 

„Die vergangenen Wochen haben allen Beteiligten einiges abverlangt. Nach dem ersten Versuch galt es, die Situation sorgfältig auszuwerten und gemeinsam eine sichere Lösung für die Wasserung zu entwickeln. Dass unser neues Reservetor nun schwimmt und wieder in Emden angekommen ist, markiert deshalb einen wichtigen Meilenstein für die Modernisierung der Großen Seeschleuse. Mein besonderer Dank gilt unseren Partnern in Eemshaven, die uns kurzfristig die Möglichkeit für die Wasserung gegeben und uns bei der Umsetzung vor Ort unterstützt haben. Ebenso danke ich allen Kolleginnen und Kollegen sowie den beteiligten Unternehmen, die mit großem Einsatz zum Gelingen dieser anspruchsvollen Aktion beigetragen haben“, sagt Holger Banik, Geschäftsführer der Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG. 

Zentimeterarbeit beim Ausschwimmen

Für die Wasserung senkten die Fachleute die BHV Innovation im Julianahaven kontrolliert ab. Zuvor koppelten sie die beiden eigens für die Emder Schleusentore konstruierten Auftriebskörper an das Reservetor. Anschließend ballastierten sie den absenkbaren Schwerlastponton weiter, bis das Tor gemeinsam mit den Auftriebskörpern aufschwamm. Der Ablaufplan sah dafür einen Tiefgang der BHV Innovation von rund 13,3 Metern vor. Zwischen dem Tor und seiner Unterkonstruktion auf dem Pontondeck verblieb beim Aufschwimmen rechnerisch ein Spielraum von rund 68 Zentimetern.

Schlepper zogen das schwimmende Tor anschließend zwischen den beiden Türmen der abgesenkten BHV Innovation heraus und brachten es zunächst an die Kaje. Dort brachten die Fachleute es anschließend in die für den weiteren Transport vorgesehene Schwimmlage und koppelten die Auftriebskörper wieder ab. Das frei schwimmende Tor hatte danach einen Tiefgang von rund 8,3 Metern.

Zwei Schlepper übernahmen das frei schwimmende Reservetor und brachten es von Eemshaven zurück nach Emden. Die beiden Auftriebskörper werden an diesem Freitag, 28. August, separat nach Emden zurückgeführt. Auch die BHV Innovation verlässt Eemshaven nach Abschluss der Arbeiten wieder.

Ein Tor mit besonderen Aufgaben

Das von der Stahlbau Nord GmbH in Bremerhaven gefertigte Reservetor zählt mit einer Länge von 42,6 Metern, einer Höhe von 19,9 Metern und einer Breite von 7,9 Metern zu den größten Einzelbauteilen des Projekts. Es erfüllt die Anforderungen an Schleusenbetrieb und Hochwasserschutz und übernimmt eine zentrale Funktion bei den anstehenden Arbeiten an der Großen Seeschleuse.

Vom 17. bis 21. September wird die Große Seeschleuse für die nächsten Arbeiten gesperrt. Ab dem 22. September übernimmt das Reservetor für voraussichtlich ein Jahr die Position des bisherigen Tores am Binnenhaupt. NPorts kann das Bestandstor damit außer Betrieb nehmen und modernisieren.
Eine Besonderheit des Reservetors bilden zwei jeweils rund 16 Meter lange Druckluftarbeitskammern. In ihrem Schutz können unter anderem bestehende Torlaufschienen zurückgebaut, Drempelbereiche vorbereitet und neue Torlaufschienen eingebaut werden.

Seine Aufgabe geht jedoch über die aktuelle Modernisierung hinaus: Die Tore am Binnen- und Außenhaupt müssen regelmäßig überprüft, gewartet und instand gesetzt werden. Muss eines von ihnen dafür zeitweise außer Betrieb genommen werden, kann das Reservetor dessen Position und Funktion übernehmen. Es ist damit ein wichtiger Bestandteil für den dauerhaften Betrieb der Großen Seeschleuse – und nicht allein eine Reserve für den Störungsfall.

Modernisierung bei laufendem Schleusenbetrieb

Die zwischen 1907 und 1913 errichtete Große Seeschleuse bildet die Hauptzufahrt zum Emder Binnenhafen. Rund 50 bis 60 Prozent der Gesamttonnage des Emder Hafens werden über den Binnenhafen umgeschlagen. Seit 1988 steht die Schleuse unter Denkmalschutz.

NPorts modernisiert die Anlage in insgesamt 18 Fachlosen bei laufendem Schleusenbetrieb. Das Projekt umfasst neben dem Reservetor unter anderem die Modernisierung der Stahlwasserbau- und Maschinenanlagen, die Erneuerung der Elektro-, Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik, die Instandsetzung der Bestandstore sowie Maßnahmen zur Anpassung an die heutigen Anforderungen des Hochwasserschutzes. Ziel ist es, die Funktionsfähigkeit der Großen Seeschleuse langfristig zu sichern.

 

Bildtexte:

Emden: Ein erster Versuch, das Tor am 28. Juli im Emder Binnenhafen vom Schwerlastponton auszuschwimmen, musste abgebrochen werden. (Bild: Ziegeler/NPorts)
Eemshaven1: Nach der erfolgreichen Wasserung liegt das neue Reservetor mit den beiden Auftriebskörpern an der Kaje in Eemshaven. (Bild: Schleusener/NPorts)
Eemshaven2: Nach dem Ausschwimmen wird das Reservetor an der Kaje in Eemshaven für den Weitertransport nach Emden vorbereitet. (Bild: Schleusener/NPorts) 

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Dörte Schmitz, Leitung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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