Wind im Container
Zwei Nordlichter bringen erneuerbare Energie in den Hafen
Die Anlage, die heute nahe dem Hauptgate in Emden steht, wirkt ungewöhnlich: Ein Container, aus dem zwei Windturbinen ragen, ergänzt durch Photovoltaikmodule auf dem Dach. Ein richtiger Hingucker. Für Thomas Tröster (Dipl.-Ing. Elektrotechnik) und Jens Kampen (Elektrotechnikermeister) ist sie vor allem eines: ein Stück Tüftlerarbeit – und ein Beweis dafür, was mit technischem Verstand und Mut möglich ist.
„Es ging am Anfang um eine ganz einfache Frage“, erinnert sich Jens. „Wie können wir regenerative Energie erzeugen? Welche Energieformen stehen uns zur Verfügung? Solar und Wind, das liegt hier oben ja auf der Hand.“
Die Idee entstand im Rahmen des EU-Projekts REDII Ports, das sich mit der Integration erneuerbarer Energien in Hafeninfrastrukturen beschäftigt. Für Thomas als Elektroingenieur liegt der spannende Teil im Inneren der Anlage. „Normalerweise denkt man eher an ein kleines Gehäuse für Steuerungs- und Elektrotechnik“, sagt er. Hier steht die Technik gleich in einem ganzen Container, mit Windturbinen, Photovoltaik, Steuerungstechnik und Netzanschluss in einer Einheit.
„Es ist Wind, es ist Solar – und es macht Strom.“
Technisch betrachtet ist das Prinzip klar: Wind- und Sonnenenergie werden über Wechselrichter ins System eingespeist, Schutz- und Messkonzepte sichern den Betrieb, die Netzanbindung erfolgt regelkonform nach geltenden Normen.
„Eine solche Anlage zu betreiben, ist vom Grundprinzip nicht kompliziert“, sagt Thomas. „Spannend wird es bei der Integration: Wie binde ich das sauber ins bestehende Netz ein? Welche Regularien gelten? Wie sieht das Zählerkonzept aus?“ Hier wurde aus Standardtechnik echte Ingenieursarbeit.
Im Probebetrieb zeigte sich: Optimierungspotenzial ist immer da. Eine Turbine wurde ausgetauscht, Software angepasst, der Leistungsfaktor verbessert. „Wir haben festgestellt, dass viel Blindleistung im Container war“, erklärt Jens. Blindleistung ist elektrische Leistung, die im Wechselstromnetz zwar zwischen Quelle und Verbraucher pendelt, jedoch keine nutzbare Arbeit verrichtet. Sie belastet Leitungen und Transformatoren und verschlechtert den Leistungsfaktor. „Durch eine Software-Umstellung konnten wir die Effizienz deutlich steigern.“
Auch das Bremssystem wurde angepasst. Statt einer „Vollbremsung“ wird die Anlage nun kontrollierter aus dem Wind gedreht, materialschonend und technisch sauber.
Warum gerade im Hafen?
Häfen sind ideale Orte für hybride Systeme:
- viel Wind
- freie Flächen
- wechselnde Energiebedarfe
„Gerade in Flächenhäfen oder bei kurzfristigem Bedarf ist das eine gute Lösung“, sagt Thomas. „Es ist keine Großanlage, aber eine flexible.“ Und sie fällt auf. „Gerade am Anfang wurde ich ständig darauf angesprochen“, erzählt Jens. „Viele wollten wissen, wie das funktioniert.“
Zwei Nordlichter, eine Leidenschaft
Die beiden Kollegen verbindet nicht nur die Elektrotechnik, sondern auch die Küste. Thomas stammt gebürtig aus Norden: „Den Norderneyer Leuchtturm konnte ich von meinem Kinderzimmer aus sehen.“ Jens wuchs nahe dem Deich auf: „Wind, Wasser, dieses Raue: Das gehört für mich dazu.“
Elektrotechnik war für beide früh klar. Jens wurde von seinem Onkel inspiriert, Thomaslernte auf der Werft, studierte später Elektrotechnik und kam 2003 zu NPorts. Was sie bis heute fasziniert? „Die Vielfältigkeit“, sagt Thomas. „Und die Verbindung von Technik und maritimer Umgebung“, ergänzt Jens.
Auf die Frage, was es braucht, um ein Projekt wie dieses umzusetzen, antwortet Thomas: „Von allem etwas. Platz, Investitionsbereitschaft und Geduld. Nur den Container hinstellen und Kabel einstecken: So einfach ist es nicht.“ Jens formuliert es direkter: „Mach! Wenn du dir das Risiko zutraust.“
Und was würden die beiden jungen Menschen sagen, die über einen technischen Beruf im Hafen nachdenken? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Zack, ran!“, sagt Jens. „Bei uns wird es nie langweilig.“ Thomas ergänzt: „Stabiles Umfeld und verlässliche Arbeitszeiten. Und trotzdem immer am Puls der Zeit.“
Und die Container-WKA? „Wir sind noch lange nicht fertig damit, was sie alles kann“, sagt Thomas.
Kommentare
Alexander Kariger
"Tolles Projekt und einfach mal machen es wird immer soviel gejammert das nichts passiert! Habt ihr auch die Mikrowindanöagwn in Betrieb von Skywind ? Da würden mich Erfahrungswerte interessieren . Danke und weiter so ;-) "
Oliver Kurth
"Moin, Danke für die Aufklärung was alles in dem Container steckt und wie alles funktioniert. 5,0 Mte lang bin ich jeden Tag an dem Cont. vorbeigefahren u. habe mich immer insgeheim gefragt, was macht der Cont. mit den 2 Windrädern hier draußen vor der Pforte. Mein Tip:" Ihr solltet das Schild "So funktioniert's !" draußen am Cont. in Blickrichtung zum LKW Parkplatz u. zur Pforte anbringen. Weiterhin gutes Gelingen zum Projekt u. LG aus Cuxhaven. Oliver #HafenFan - Machst Du auch mit?! www.HafenFan.de "