Zwischen Echolot und Erfahrung – unterwegs mit Seefalke
An Bord mit Thorsten Uphoff und Karsten Köpsel
„Noch nicht. Da sind zu viele Fehlechos.“
Kaum hat die Seefalke ihre Messfahrt begonnen, muss sie schon wieder abbrechen. Eine vorbeifahrende Fähre hat das Wasser so stark verwirbelt, dass das Echolot keine verlässlichen Daten mehr liefert. Also heißt es warten – und anschließend dieselbe Linie noch einmal fahren.
Das Peilschiff von Niedersachsen Ports vermisst regelmäßig die Hafenbecken und Zufahrten der Inselhäfen von Juist bis Wangerooge sowie die Häfen Norddeich und Bensersiel. An Bord: Kapitän Thorsten Uphoff und Peilmatrose Karsten Köpsel. Zurzeit gehört außerdem Marcel Meyer zur Crew. Er wird als Peilmatrose angelernt und soll künftig einspringen, wenn Unterstützung benötigt wird.
Seit Dezember 2025 arbeiten Karsten Köpsel (links) und Thorsten Uphoff zusammen auf Seefalke.
Zentimeter entscheiden
Während andere Schiffe Menschen oder Güter transportieren, sammelt die Seefalke Daten. Dafür fährt sie immer wieder exakt vorgegebene Linien ab. Unter dem Bug sendet ein Echolot Schallimpulse senkrecht zum Gewässergrund und misst daraus die Wassertiefe. Die Daten gehen anschließend an die Vermessungstechnik von NPorts, wo daraus digitale Peilpläne entstehen. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die Unterhaltung der Häfen und Fahrwasser sowie für den Einsatz des Baggerschiffs Seekrabbe.
Ein digitaler Peilplan für Juist
„Vom Blick aufs Wasser zuverlässige Daten zu liefern: Das ist eigentlich unsere Arbeit“, bringt Karsten Köpsel den Auftrag der Seefalke auf den Punkt.
Geradeaus? Von wegen.
Von außen sieht das Peilen unspektakulär aus: Das Schiff fährt scheinbar stoisch Linie um Linie. Tatsächlich verlangt jede einzelne volle Konzentration.
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„Jede Linie ist eine neue Herausforderung“, sagt Kapitän Thorsten Uphoff. Wind, Strömung, andere Schiffe oder Buhnen verändern die Bedingungen ständig. Während er das Schiff möglichst exakt auf Kurs hält, überwacht Karsten Köpsel am Rechner die Vermessung. Gemeinsam entscheiden sie, welche Linie als Nächstes sinnvoll gefahren werden kann.
Besonders anspruchsvoll wird es im Norddeicher Hafenschlauch. Hier beeinflussen starke Strömungen und reger Fährverkehr die Arbeit. Mehrfach muss die Crew ihre Messungen unterbrechen, weil vorbeifahrende Schiffe das Wasser verwirbeln. Die Luftblasen im Schraubenwasser verursachen sogenannte Fehlechos im Echolot – verlässliche Messwerte wären so nicht möglich. Also heißt es warten, bis sich das Wasser beruhigt hat.
Erfahrung lässt sich nicht einzeichnen
Manches steht auf keiner Seekarte.
„Da kommen manchmal Unterströmungen, die einen richtig überraschen können“, erzählt Karsten Köpsel. Wo solche Besonderheiten auftreten, weiß die Crew vor allem aus jahrelanger Erfahrung.
Thorsten Uphoff ergänzt: „Die Wattfahrt ist tatsächlich das Schwerste, was ein Seefahrer sich vorstellen kann.“ Wer von der Hochseeschifffahrt komme, müsse sich erst daran gewöhnen, dass dort, wo Wasser zu sehen ist, nicht automatisch genug Wasser zum Fahren vorhanden sei.
Mehr als Wassertiefen
Die Seefalke misst jedoch nicht nur Hafenbecken und Zufahrten.
Regelmäßig kontrolliert die Crew auch die Verklappstellen, auf denen das Baggerschiff Seekrabbe ausgebaggertes Sediment ablagert. Dafür werden unter anderem Wassertiefen, Strömungen und Trübungen erfasst. Zusätzlich nimmt die Besatzung Wasserproben, die später im Labor untersucht werden. Auch Biologinnen und Biologen begleiten einzelne Fahrten, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu beobachten.
Vom Praktikanten zum Kapitän
Für Thorsten Uphoff begann alles mit einem Schulpraktikum beim damaligen Niedersächsischen Hafenamt Norden. Es folgten die Ausbildung zum Schiffsmechaniker auf Seekrabbe, Einsätze auf verschiedenen NPorts-Schiffen sowie Weiterbildungen zum Maschinisten und schließlich zum Kapitän – Qualifikationen, die NPorts ihm ermöglichte. Heute steht er selbst auf der Brücke der Seefalke.
Dass ihn der Beruf bis heute begeistert, überrascht kaum. „Ich bin seit meinem neunten Lebensjahr auf dem Wasser“, erzählt er. Sein Vater fuhr auf einem Fischkutter, zwei Brüder arbeiten ebenfalls zur See. „Das ist mir irgendwie in die Wiege gelegt worden.“
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Die Seefalke auf einen Blick
Baujahr: 1987 Als Peilschiff von Niedersachsen Ports vermisst die Seefalke regelmäßig Hafenbecken, Hafenzufahrten und Verklappstellen entlang der ostfriesischen Küste. Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für Peilpläne und unterstützen unter anderem die Planung von Unterhaltungsbaggerungen. |


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