Zwischen Schleusentor und Schreibtisch
Kathrin Dibke und Marc Dörger halten Brake in Bewegung
Eine Schleuse grundlegend zu sanieren gehört zu den außergewöhnlichsten Aufgaben im Hafenbau. Genau dieser Herausforderung stellen sich Projektleiterin Kathrin Dibke (39) und Bauleiter Marc Dörger (31) derzeit bei der Sanierung der Braker Schleuse. Seit Monaten begleiten sie die Arbeiten – mal im Büro, mal auf der Baustelle und manchmal 16 Meter tief in der trockengelegten Torkammer.
![]() | Marc stammt aus Bremerhaven und ist mit dem Hafen groß geworden. Für Technik hat er sich schon immer interessiert. Schon sein Uropa, sein Opa und sein Vater waren Schlosser. Sein Vater arbeitet bis heute bei Bremenports. "Ich bin mit dem Hafen aufgewachsen. Ich wusste schon als Kind, was ein Torwechsel ist." Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker, der Technikerschule und einem kurzen Abstecher auf eine Werft wechselte er 2020 zu Niedersachsen Ports – und von Bremerhaven auf die andere Weserseite. |
![]() | Kathrin ist in Brake aufgewachsen. "Ich kenne den Hafen, seit ich klein bin." Nach einer Ausbildung zur Bauzeichnerin arbeitete sie eng mit Bauingenieuren zusammen. Irgendwann dachte sie sich: "Das, was die können, kann ich auch." Also studierte sie Bauingenieurwesen und begeisterte sich schon früh für den Hafenbau und die Sanierung von Spundwänden. Ihr Ziel war klar: irgendwann im Hafen arbeiten. Die passende Stellenausschreibung entdeckte sie eher zufällig auf einem Nachhaltigkeitstag an der Braker Kaje. Seit 2023 gehört sie zum Team von NPorts. Heute leitet sie in Brake das Team Engineering & Consulting. |
Bei der Sanierung der Braker Schleuse bilden Marc und Kathrin ein eingespieltes Duo.
Eine Chance, die man vielleicht nur einmal bekommt
Schleusen werden nicht alle paar Jahre saniert. Oft vergehen Jahrzehnte. "Vielleicht hat man so ein Projekt nur einmal im Berufsleben", sagt Kathrin. “So schnell werden wir wahrscheinlich nicht wieder an einer Schleuse arbeiten können.”
Vieles, was Besucher von außen sehen, ist nur ein kleiner Teil der Anlage. "Man sieht eigentlich nicht mal ein Drittel", erklärt Marc. “Wenn man dann unten in der trockengelegten Torkammer steht und nach oben schaut, merkt man erst, welche Dimensionen dieses Bauwerk wirklich hat.”
Kathrin nickt. Besonders beeindruckend sei das Gefühl, wenn man sich bewusst macht, dass direkt neben einem mehrere Meter Wasser stehen – gehalten allein durch die Technik der Schleuse. “Da wird einem schon kurz mulmig. Aber gleichzeitig ist es faszinierend zu wissen, dass genau das funktioniert.”
Kein Tag wie der andere
Beide schätzen vor allem die Abwechslung ihres Berufs. Der Arbeitstag beginnt bei beiden ähnlich: Rechner hochfahren, E-Mails prüfen – Marc mit einer Tasse Kaffee, Kathrin lieber mit Tee. Danach kann alles passieren. "Man weiß morgens nie, was in der Nacht passiert ist", erzählt Marc. “Gibt es irgendwo einen Schaden? Läuft alles? Genau das macht den Job spannend.”
Sein Arbeitsalltag spielt sich längst nicht nur auf der Baustelle ab. Besprechungen, Ausschreibungen und Formalitäten gehören genauso dazu wie der Gang hinaus an die Schleuse. Eigentlich würde er lieber häufiger draußen sein. "Am liebsten wäre ich zu fünf Prozent im Büro und zu 95 Prozent auf der Baustelle", sagt er lachend.
Kathrin kennt diesen Spagat ebenfalls. Als Teamleiterin kümmert sie sich zusätzlich um ihr Team und unterstützt ihre Kolleginnen und Kollegen. “Das Miteinander macht mir genauso viel Spaß wie die Projekte.”
Ruhe bewahren, wenn es knifflig wird
Eine Schleuse zu sanieren bedeutet auch Zeitdruck. Die Arbeiten am Außentor dürfen nur außerhalb der Sturmflutsaison stattfinden. Bis Mitte September muss alles abgeschlossen sein. "Das ist wahrscheinlich die größte Herausforderung", sagt Kathrin. “Diesen Termin dürfen wir nicht reißen.”
Marc bleibt trotzdem gelassen. Genau das scheint eine seiner größten Stärken zu sein. "Wenn ein Problem auftaucht, konzentriere ich mich zuerst auf die Lösung – nicht darauf, Verantwortlichkeiten zu diskutieren.“
Kathrin bringt die Zusammenarbeit der beiden auf den Punkt: "Marc kümmert sich um alles draußen auf den Baustellen. Ich bin für den kaufmännischen Teil zuständig und schaue, dass im Büro alles rundläuft.“
Der Hafen hört nach Feierabend nicht auf
Seinen Ausgleich zum Beruf findet Marc beim Joggen, im Garten oder mit Freunden. Außerdem gehört er zum Laufteam von NPorts.
Kathrin verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihrer Familie. Wenn sie nach Hause kommt, wartet dort ihre fünfjährige Tochter auf sie. Nach dem Bau des eigenen Hauses freut sie sich darauf, wieder mehr Zeit für ihre kreativen Hobbys zu finden: Zeichnen und Nähen. Gemeinsam mit ihrem Mann ist sie begeisterte Brettspielerin. Die Sammlung ist inzwischen so groß, dass sich die beiden sogar einen eigenen Brettspieletisch vom Tischler haben anfertigen lassen – tagsüber Esstisch, abends Spielezentrale.
Brake steckt voller Überraschungen
Was sollten Besucher im Hafen unbedingt sehen? "Eigentlich den ganzen Hafen", sagt Marc.
Vom Niedersachsenkai und den Spülfeldern über die Holzpier bis zur Schleuse und der Stadtkaje: Für Kathrin zeigen gerade die Unterschiede, wie vielseitig der Hafen ist. Marc ergänzt: “Wenn man einfach nur durch Brake fährt, merkt man gar nicht, wie groß und langgezogen der Hafen eigentlich ist.”
Fest steht: Langweilig wird den beiden so schnell nicht. Mal geht es um ein 16 Meter tiefes Schleusentor, mal um Besprechungen im Büro, mal um Kaffee oder Tee – und nach Feierabend vielleicht um eine Partie am Brettspieletisch.
(Fotos: Andreas Burmann/NPorts)


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