Geschichte trifft Zukunft

Die „Alte Liebe“ in Cuxhaven ist seit fast drei Jahrhunderten ein prägendes Wahrzeichen der Stadt. Sie wurde im Jahr 1733 errichtet und ursprünglich aus versenkten Schiffen gebaut, um die Hafeneinfahrt zu sichern. Im Laufe der Zeit wurde das Bauwerk mehrfach erneuert und an neue Anforderungen angepasst, zuletzt 1981 mit dem Umbau zu einer zweigeschossigen Aussichtsplattform.

Aktuelle unabhängige Gutachten aus den Jahren 2021 und 2024 zeigen erhebliche statische Schäden an den tragenden Betonbauteilen. 

Risse, freiliegende und korrodierte Bewehrung sowie fortschreitende Materialermüdung beeinträchtigen die Dauerhaftigkeit der Konstruktion deutlich. Eine sichere Nutzung ist daher nur noch eingeschränkt möglich.

Sicher, höher und barrierefrei

Die neue „Alte Liebe“ wird rund einen Meter höher liegen als bisher.

Damit reagiert das Bauwerk auf steigende Sturmflutwasserstände und langfristige klimatische Veränderungen. Gleichzeitig wird ein barrierefreier Zugang geschaffen.

Ein offenes, großzügig gestaltetes Areal lädt künftig zum Verweilen ein und bietet weiterhin einen besonderen Blick auf Elbe und Schifffahrt.

Faktencheck Alte Liebe (24.09.2026)

Sachlich einordnen, nachvollziehbar erklären

Rund um die Erneuerung der Alten Liebe werden unterschiedliche Aussagen zu Statik, Bauvarianten, Kosten und Materialien gemacht. Einige davon beruhen auf unterschiedlichen Bewertungen, andere lassen sich anhand der technischen Grundlagen überprüfen. Hier ordnen wir zentrale Aussagen der aktuellen Debatte ein.

Fragen und Antworten rund ums Projekt

Warum wird die Alte Liebe saniert?

Im Rahmen turnusmäßiger Bauwerksprüfungen sowie vertiefender Untersuchungen in den Jahren 2021 und 2024 wurden erhebliche Schäden an tragenden Beton- und Holzbauteilen festgestellt. Dazu gehören unter anderem Risse, Betonabplatzungen, Korrosion der Bewehrung sowie Schäden an Holzkonstruktion und Verbindungsmitteln. Die vorhandene Gründung kann nach fachlicher Bewertung dagegen weiter genutzt werden.

Als Infrastrukturbetreiber sind wir verpflichtet, auf Grundlage unabhängiger Gutachten zu handeln. Sicherheit hat oberste Priorität.

Unser Ziel ist es, die Alte Liebe als Wahrzeichen zu erhalten, sie soll sicher und zukunftsfähig sein.

Wird das Oberdeck zurückgebaut?

Im Zuge der geplanten Maßnahme werden geschädigte Bauteile ersetzt. Es handelt sich um einen Teilneubau oberhalb der tragenden, weiterhin standsicheren Gründung.

Eine zweite Ebene bleibt Bestandteil des aktuellen Entwurfs, allerdings in geringerem Umfang als heute. Die Größe dieser zweiten Ebene ergibt sich aus den Lasten, die von der vorhandenen Gründung noch aufgenommen werden können. Nach fachlicher Bewertung ist die derzeit geplante Größe statisch vertretbar. Eine weitere Vergrößerung würde zusätzliche Gründungselemente erforderlich machen.

Ersetzt werden die Bauteile, die nach gutachterlicher Einschätzung nicht mehr dauerhaft tragfähig sind. Entscheidend ist eine dauerhaft sichere Konstruktion.

Warum wird das Oberdeck nicht einfach saniert?

Eine reine Instandsetzung in der bestehenden Konstruktion ist technisch nicht sinnvoll.
Zwischen der Holzplattform (oben) und der tragenden Stahlgründung (größtenteils unter Wasser) befindet sich ein Betonaufbau, der die Lasten in die Gründung ableitet. Genau diese Bauteile weisen erhebliche Schäden auf und müssen erneuert werden.

Im Zuge der Maßnahme wird dieser Betonaufbau vollständig überarbeitet und konstruktiv angepasst. Die Beton-Plattform wird um rund 1,20 Meter erhöht, um sie besser an zukünftige Sturmfluten und klimatische Veränderungen anzupassen.
Ein Wiederaufbau der bisherigen Holzkonstruktion auf dieser neuen, erhöhten Tragstruktur ist statisch und konstruktiv nicht sinnvoll.

Ein bloßes „Sanieren wie bisher“ würde die grundlegenden Anforderungen nicht erfüllen.
Unser Ziel ist eine Lösung, die dauerhaft sicher ist.

Ist die Alte Liebe ein Denkmal?

Das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege hat geprüft, ob die Voraussetzungen für die Eintragung als Einzeldenkmal vorliegen. Im Ergebnis wurde festgestellt, dass dies nicht der Fall ist.

Davon unabhängig erkennt NPorts die historische, emotionale und identitätsstiftende Bedeutung der Alten Liebe für Cuxhaven ausdrücklich an. Der fehlende Denkmalstatus bedeutet nicht, dass der Ort keine besondere Bedeutung für die Stadt und ihre Besucherinnen und Besucher besitzt.

Zerstören Sie mit den Plänen nicht ein Stück Identität Cuxhavens?

Die Alte Liebe bleibt ein prägender Ort für Cuxhaven. Sie bleibt Aussichtspunkt, Treffpunkt und Wahrzeichen am Hafen.
Was sich verändert, ist die Konstruktion. Die Bedeutung des Ortes bleibt.

Die Alte Liebe war in ihrer Geschichte nie unverändert. Sie wurde immer wieder umgebaut, technisch angepasst und weiterentwickelt. Jede Generation hat sie an neue Anforderungen angepasst.

Auch heute stehen wir vor Herausforderungen wie Standsicherheit, Klimaanpassung und Barrierefreiheit. Verantwortung bedeutet, das Bauwerk so zu erneuern, dass es dauerhaft sicher bleibt.

Identität entsteht nicht allein durch einzelne Bauteile, sondern durch das, was Menschen dort erleben: den Blick auf die Schiffe, das Zusammenkommen, die Erinnerungen. Unser Ziel ist es, genau diesen Ort für kommende Generationen zu sichern.

Was soll sich denn verbessern?

Die neue Alte Liebe wird höher liegen und damit besser an künftige Sturmflutwasserstände angepasst. Gleichzeitig bleibt der Zugang zur unteren Plattform barrierefrei.

Die neue Konstruktion wird so geplant, dass Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten künftig einfacher und sicherer durchgeführt werden können. Die Fläche bleibt öffentlich zugänglich und dient weiterhin als Aufenthalts- und Aussichtsort.

Ist das Projekt vor allem eine Kostenfrage?

Es ist in erster Linie eine Sicherheitsfrage.

NPorts muss bei unterschiedlichen Varianten gleichzeitig Standsicherheit, Bauzeit, Eingriffstiefe, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit bewerten. Kosten sind deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Variantenentscheidung, aber nicht das einzige Kriterium.
Rund 5,5 Mio. Euro stehen für den derzeit vorgesehenen Teilneubau zur Verfügung. Eine wesentlich umfassendere Lösung mit vollständiger Erneuerung der Gründung und entsprechendem Wiederaufbau würde nach aktueller Einschätzung Kosten in einer Größenordnung von etwa 10 bis 15 Mio. Euro verursachen.

Wurden Alternativen geprüft?

Ja.

Innerhalb der statischen und konstruktiven Randbedingungen wurden unterschiedliche Handlungsoptionen betrachtet und abgewogen.

Nach der öffentlichen Anhörung im Petitionsausschuss wurden zwei in der Debatte besonders hervorgehobene Punkte zusätzlich fachlich untersucht:

Größeres Oberdeck: Eine Erweiterung über die derzeit geplante Größe hinaus würde höhere horizontale Lasten erzeugen, die von der vorhandenen Gründung nicht mehr aufgenommen werden können. Zusätzliche Gründungselemente wären erforderlich.

Carbonbeton: Die allgemeinen Vorteile des Baustoffs wurden bestätigt. Bei der Alten Liebe ergeben sich wegen der vorhandenen Gründungsgeometrie jedoch keine ausreichenden Material- und Gewichtseinsparungen.

Der aktuelle Entwurf ist das Ergebnis dieser technischen, gestalterischen und wirtschaftlichen Abwägung.
 

Warum wurde die Öffentlichkeit nicht früher eingebunden?

Zunächst stand die fachliche Klärung im Vordergrund. Nach den Untersuchungen musste geprüft werden, welche Lösung aus Sicherheitsgründen tragfähig ist.

Diese Planungen wurden zunächst den zuständigen Gremien vorgestellt. Mit der aktuellen Information gehen wir bewusst einen Schritt weiter und erläutern die Hintergründe nachvollziehbar.

Wird der Bürgerwille ignoriert?

Nein.

Die hohe Beteiligung an der Petition und die intensive öffentliche Diskussion zeigen, wie wichtig die Alte Liebe vielen Menschen ist. Dieses Engagement nimmt NPorts ernst.

Gleichzeitig trägt NPorts die Verantwortung für die technische Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlage. Diese Fragen müssen auf Grundlage fachlicher Untersuchungen und technischer Regelwerke entschieden werden.
Unterschiedliche Auffassungen über die Gestaltung und Bedeutung der Alten Liebe sind Teil der öffentlichen Debatte.

Technische Grenzen lassen sich dagegen nicht durch Mehrheitsmeinungen verändern.

Ist das nicht ein reiner Abriss?

Nein.

Es handelt sich um einen Teilneubau oberhalb der tragenden Gründung. Die standsicheren Elemente bleiben erhalten. Geschädigte Bauteile werden durch eine dauerhafte Konstruktion ersetzt.

Eine vollständige Erneuerung der Gründung wäre technisch möglich, würde aber einen erheblich größeren Eingriff, längere Planungs- und Bauzeiten sowie deutlich höhere Kosten verursachen.